Ausstellung, Maragua und Cochabamba

Mittwoch, 02.11.2016

 

In der Grundschule komme ich mit den Kindern ganz gut voran. Mit den meisten Klassen habe ich jetzt das Alphabet, die Zahlen, Farben, Famile und die Tiere durch . Meine Unterrichtsvorbereitung zur Familie war leider ein Fiasko, ich hatte geplant erste Sätze und Fragen einzuführen und das war wohl zu früh, denn zwei Klassen haben mehr oder weniger gestreikt :D Also habe ich meine Erwartungen wieder etwas zurückgeschraubt und beschränke meinen Unterricht fürs erste auf die Einführung von Wortschatz. Mittlerweile mache ich tatsächlich so viel wie möglich spielerisch mit den Kindern, für die Farben und das Alphabet habe ich ein Brettspiel vorbereitet und bei der Familie haben sie dann selber ein Memory erstellt.

Zum Thema Tiere basteln wir momentan eine Art minibook, mit Zeichnungen und ein paar einfachen Sätzen, die sie nur abschreiben müssen. Die Kinder sind Feuer und Flamme dabei, vor allem weil einige Lehrer die Bücher am Ende bei der Exposition ausstellen wollen. Ich kann es selber kaum glauben, aber in vier Wochen ist meine erste Hälfte an der Schule schon vorbei, denn während der Regenzeit hat die Schule für acht Wochen geschlossen. Es regnet zwar nicht den ganzen Tag aber teilweise wohl so heftig, dass es nicht möglich ist effektiv zu unterrichten. Kürzlich hab ich eine kleine Kostprobe bekommen, in der letzten Stunde hat es so stark angefangen zu hageln, zu donnern und zu gießen, dass den Kindern verboten wurde nach Hause zu laufen. Um wieder aufs Thema zurückzukommen: Die letzten zwei Wochen im November gibt es fast jeden Tag eine Exposition oder Vorstellungen. Die Bücher werden in der Kategorie „ Praktische Arbeit „ ausgestellt , aber mit einem Kurs übe ich mit der Lehrerin auch einen Tanz ein und ein anderer macht Akrobatik-Figuren.

Da ich mich da ebenfalls irgendwie mit einbringen will, habe ich beschlossen mit einem Kurs eine Deutschland-Bolivien Exposition vorzubereiten. Das ist viiiel mehr Arbeit als gedacht, zumindest für mich. Die Schüler bereiten logischerweise den bolivianischen Part vor und ich den deutschen. Gerade der geschichtliche Teil liegt mir sehr am Herzen, da hier was Deutschland betrifft noch großes Unwissen herrscht. So kam es schon häufiger vor dass die erste Reaktion auf meine Herkunft der Hitlergruß war und ich einer Lehrerin während ich vorne unterrichtete erklären musste, dass Hitler nicht mehr Staatsoberhaupt ist und Deutschland nicht zweigeteilt. Umgekehrt sind meine Geschichtskenntnisse über Bolivien auch noch sehr spärlich, insofern freue ich mich sehr auf die Präsentation. Nun muss ich die deutsche Geschichte, Geographie etc. auf Spanisch und kindgerecht auf einem Plakat vorstellen, noch bin ich alles andere als zufrieden mit den Ergebnissen. Des weiteren werde ich einen Walzer mit einer anderen Freiwilligen einüben, ein deutsches Volkslied ( da bin ich noch hin und hergerissen, denn am liebsten würde ich natürlich ein Karnevalslied singen ;) ) und ein paar deutsche Gerichte kochen. Die anderen 10 Freiwilligen bekommen diesen Vormittag freigestellt um die Ausstellung zu besuchen, was mich sehr gefreut hat.

Am Nachmittag arbeite ich jetzt doch nicht in der mobilen Schule, aus verschiedenen Gründen. Mein Chef fand es fürs erste besser und im Nachhinein bin ich auch froh. Denn jetzt helfe ich am mercado in einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder, deren Eltern an einem Stand arbeiten und deshalb keine Zeit haben auf sie aufzupassen. Es ist eine willkommene Ergänzung zu der Arbeit am Vormittag, da ich nichts vorbereiten muss und kein so großer Druck auf mir lastet. Außerdem bin ich ziemlich flexibel, da dort noch ein Freiwilliger eingesetzt ist und ich mir dann auch mal einen Nachmittag freinehmen kann um z.B. ein Plakat für das Projekt vorzubereiten.

Unten auf dem Bild haben wir mit den Kiddies Halloween gefeiert und auch wir beiden Jungs wurden gezwungen mitzutanzen :D Mein Mitfreiwilliger, Marvin, hat von seinem Geld Spielsachen für die Einrichtung gekauft, denn die gibt es gar nicht und die Kinder können sich dann auf etwas nach den Hausaufgaben freuen.

Einer der letzten zwei Wochenendausflügen ging nach Maragua, einem Krater in den Bergen. Diesmal haben wir die Wanderung mit einem Guide gemacht, so war alles geregelt, auch die Übernachtung von Samstag auf Sonntag. Zu der Wanderung selber gibt es nicht viel zu sagen, sie war wunderschön und ziemlich anstrengend. Für mich persönlich war der Höhepunkt aber ein ganz anderer ; unsere Unterkunft lag im Dorf mitten im Krater. Als wir dann abends nach draußen gegangen sind um uns den Sonnenuntergang anzuschauen haben uns ein paar Kinder gefragt ob wir mit ihnen Fußballspielen wollen. Also haben wir komplett fertig und barfuß im Sonnenuntergang mit den Kindern noch Fußball gespielt. Das Dorf selber bestand aus ein paar Baracken und Kühen, nicht besonders spektakulär, aber genial gelegen. Zu der Entstehung des Kraters gibt es mehrere Theorien, ich kann mich jetzt noch an die erinnern, die ihn auf einen Meteoriten zurückführt und die andere behauptet, dass hier eine Oase mit einem großen See gewesen sei.

Unsere zweite Wochendenreise hat uns nach Cochabamba geführt. Ich würde sie nicht unbedingt als Reinfall bezeichnen aber sie war nah dran. Cochabamba ist eine Millionenstadt, liegt etwa 500 Meter niedriger als Sucre und in einer deutlich wärmeren Klimazone. Mit dem Bus haben wir ungefähr 6 Stunden gebraucht und sind kurz vor vier am Morgen angekommen. Dann mussten wir noch im Bus vor dem Terminal warten, um die Zeit ist er aus Sicherheitsgründen geschlossen und man sollte sich im Dunkeln nicht in der Nähe aufhalten. Unser Hostel lag etwas weiter außerhalb und es war wirklich ein Traumhostel, für einen Preis der sich auf Dauer für den Besitzer einfach nicht rentieren kann. Auf dem Platz im Hostel hatten auch zwei interessante Deutsche ihr Lager mit dem Wohnwagen aufgeschlagen; sie sind vor etwa einem Jahr in Rente gegangen und machen für zwei Jahre eine Reise durch ganz Südamerika.

Für Samstag war der Nationalpark geplant, der ganz toll sein soll, leider lag der aber zu weit entfernt. Also haben wir beschlossen uns auf zu den Wasserfällen zu machen, zu denen ein etwa zweistündiger Wanderweg führte. Unsere Stimmung wurde schon etwas gedämpft als uns ein Bolivianer vor Beginn der Wanderung vor Überfällen warnte. Also haben wir auf dem Weg eine Familie und einen alten Mann gefragt ob sie uns raten würden weiterzulaufen. Beide meinten, dass immer wieder Wanderer mit Messern bedroht und ausgeraubt werden und wir daher maximal eine halbe Stunde wandern sollten und dann umkehren. Mit dieser Info im Hinterkof sind wir weitergelaufen und uns ist eine Frau entgegengekommen. Als wir sie selbiges gefragt haben, hat sie ein Messer gezogen und gesagt ohne läuft sie dort nicht lang. Das hat uns überzeugt und wir haben kehrtgemacht :D

Die größte Touristenattraktion in Cochabamba ist eine riesige Jesusstatue, zu der 1200 Treppenstufen oder eine Gondelbahn führen. Ein paar Leute aus dem Hostel sind auf dem Weg nach oben ausgeraubt worden, aber es klang so, dass sie einen Weg querfeldein genommen hatten, also sind wir zu Fuß los. Alles war gut , doch auf halber Strecke sahen wir eine Gruppe junger Leute , die an der Seite der Treppe mit einem toten Hahn (?!) saßen. Als sie uns erblickten, standen sie auf und stellten sich zu beiden Seiten der Treppe auf. Wir konnten nicht mehr umkehren also rückten wir zusammen und gingen weiter. Vielleicht waren wir als Gruppe groß genug, aber es ist zum Glück nichts passiert. Der Ausblick von oben war großartig und die Statue hat sich immerhin gelohnt zu sehen !

Am Sonntag haben wir uns die Stadt angesehen, aber sie hat überhaupt gar keinen flair und keine schönen Gebäude ( zumindest haben wir sie nicht gesehen ). Da war ich wirklich froh, als ich wieder im kleinen, behaglichen und sicheren Sucre mit seinem schönen Zentrum war.

Die Plaza in Sucre ist wirklich toll. Abends treffen sich dort immer ganz viele Studenten und Jugendliche und die Atmosphäre ist super. Man kann sich dort einfach auf eine Bank setzen und für eine Zeit lang das Treiben beobachten. Außerdem habe ich kürzlich den wunderschönen parco bolivar entdeckt, an dem es einen riesigen Spielplatz, viele Jogger und viele Familien gibt. Immer wieder sieht man auch Straßenkünstler von einer Menge umringt malen.

Der Grund, weshalb ich heute Zeit habe den blog zu schreiben, ist Allerheiligen, Todos los Santos. Schon seit Wochen wird zu diesem Zweck hier in Sucre fleißig Brot gebacken. Gestern haben sich dann viele Familien auf dem Friedhof getroffen mit kleinen Tischen, auf denen dieses Brot und Essen und Trinken, welches den Verstorbenen gefallen hatte, vorbereitet waren. An Leute, die vorbeikamen wurde Brot und Essen verschenkt und generell war eine sehr gute, wenn auch andächtige Stimmung.

Zuletzt würde ich gerne noch kurz erwähnen, dass ich momentan Spenden für Englischhefte sammele, damit ich an der Schule auch wirklich effektiv unterrichten kann.

Ein Heft kostet umgerechnet etwa 2,50 Euro , daher würde ich mich über jede Spenden an die unten angegebenen Kontodaten freuen !

Kontoinhaber: Hostelling International Max Steiner

Geno Bank Essen eG

BIC: GENODEM1GBE

IBAN: DE41 3606 0488 0546 3469 00

Bitte " Jakob Strnad " im Buchungstext angeben

 

Liebe Grüße und bis dann !