Berichte von 02/2017

Peru, Salzsee und Spendenaktion

Mittwoch, 08.02.2017

 

Hey Leute,

 

sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde, die letzten Monate war viel los, aber für die zweite Halbzeit meines Freiwilligendienstes habe ich mir fest vorgenommen euch regelmäßig auf dem laufenden zu halten!

Es ist für mich schwer zu glauben, dass jetzt die Hälfte schon vorbei sein soll, die sechs Monate vergingen wirklich wie im Flug. Nichtsdestotrotz habe ich viele Pläne für die kommende Zeit und hoffe noch einige coole Aktionen starten zu können. Zuallererst werde ich euch aber kurz wieder auf den aktuellen Stand bringen:

Der letzte Schultag war für Anfang Dezember angesetzt und die letzten zwei Wochen, bevor die Tore geschlossen wurden, hatten die Schüler die Möglichkeit, alles erlernte zu präsentieren.

So gab es unterschiedliche Thementage, an denen einmal Tänze, an anderen Tagen Basteleien und Sport auf der Tagesordnung standen. Für mich war ganz sicher der Höhepunkt meine eigene Deutsch-Bolivianische Messe, auf die ich Wochen lang hingearbeitet hatte. In Zusammenarbeit mit einem der älteren Klassen beschlossen wir, Geschichte, Gastronomie, Kultur und Politik der jeweiligen Länder vorzustellen. Zu diesem Zweck saß ich tagelang nachmittags an Plakaten über die gesamte deutsche Geschichte und übte mit einer Freundin einen Walzer ein. Abgesehen davon handelte es sich um eine interkulturelle Begegnung, da meine ganze WG ( etwa 10 weitere Jugendliche) eingeladen wurden. Diese nahmen mir auch einiges an Arbeit ab, indem sie verschiedene deutsche Gerichte vorbereiteten und verteilten. Meine Jungs ( die Schüler der Klasse, die mit mir die feria vorbereitet haben), ließen es sich natürlich auch nicht nehmen uns zum Fußball herauszufordern ;)

 Meine Plakate über Deutschland

 

Eine Klasse präsentiert einen bolivianischen Tanz

 

Meine Mitfreiwilligen und die Klasse, mit der ich die Messe veranstaltet habe

 

Schließlich wurden die kiddies in die Ferien entlassen und für mich hieß das ab nach Peru mit paar Kumpels. Die Tour ging über Cousco und den Macchu Picchu nach Arequipa und schließlich ans Meer. Dazu gibt es gar nicht viel zu sagen, ich hoffe die Bilder unten sprechen für sich;)

Macchu Picchu

 

Der Colca Canyon in Arequipa und die Oase



Die wunderschöne Plaza Arequipas

Pünktlich zu Weihnachten waren wir wieder in Sucre, aber schon ging es wieder los, zu erst in den Süden zum weltberühmten Salzsee, dann nach La Paz, wo wir Silvester verbrachten und an den Titikakasee. Der Salar de Uyuni war tatsächlich so beeindruckend, wie er überall in Bolivien beworben wird.

 

Die Roten Lagunen

 

Die Vulkane

 

Allerdings nahmen wir noch die Downhill Tour der „ Death Road“ in La Paz mit, einer der Höhepunkte während meines gesamten Aufenthalts in Bolivien. Die Death Road wurde einst als Verbindung zwischen der Stadt La Paz ( auf ca 4000 Höhenmetern) und den sogenannten Yungas, einem tropischen Naturgebiet ( auf ca 1000 Höhenmetern) genutzt. Bekannt wurde sie durch ihre extrem geringe Breite für Lastwägen und einer dementsprechend hohen Unfallrate. Mit dem Mountainbike war es aber mehr als machbar und ein einmaliges Erlebnis!

La Paz, die Millionenstadt mit dem Regierungssitz, ist sehr interessant. Die tiefer gelegenen Gegenden bewohnen die reichen Bürger auf Grund des angenehmen Klimas, während in den höheren Gebieten die ärmeren Bolivianer wohnen. Man findet alles, vom Luxushotel bis zu Bruchbuden, außerdem hat die Stadt die wahrscheinlich lebendigste Kunst- und Musikszene Boliviens. Die tieferen und die höheren Teile der Stadt werden seit ein paar Jahren mit einer Seilbahn verbunden, bis jetzt einmalig in Bolivien.

 

Direkt anschließend an die Reise war unser Zwischenseminar mit dem Chef unserer Organisation vor Ort, Max Steiner. Hierbei haben wir unglaublich viel über Bolivien und seine Politik/Wirtschaft gelernt und viel diskutiert. Eines der brisantesten Themen momentan ist der Präsident Evo Morales, der eine verfassungswidrige vierte Amtsperiode anstrebt. Viele Bewohner Sucres, die ja eine ehemalige Kolonialstadt ist, stehen dem indigenen Präsidenten sehr kritisch gegenüber ( wir haben eine kleine Befragung auf den Strassen gestartet). Unumstritten ist, dass unter dem Präsidenten der indigenen Bevölkerung vieles zurückgegeben wurde, was ihr während der Kolonialzeit genommen wurde, zum Beispiel uneingeschränkter Zugang zu Bildung. Außerdem wurde das BIP vervielfacht, staatliche Investitionen in Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur sind in die Höhe geschossen ( die ländliche Bevölkerung braucht nicht mehr stundenlang zum nächstgelegenen Krankenhaus) und es gibt eine tatsächlich vorhandene Sozialpolitik ( unter anderem eine staatlich finanzierte Rente). Einige meine Lehrer z.B. aber beklagen autoritäre Tendenzen, Korruption und einen Präsidenten, der sich nur selber inszeniert. Eine Mitfreiwillige arbeitet in einer staatlichen Einrichtung, in denen überprüft wird, ob die Mitarbeiter bei Demonstrationen anwesend sind. 2019 ist die Präsidentenwahl, es bleibt spannend und scheint die Bevölkerung Boliviens zu spalten in dieser Frage.

Die zweite Hälfte Januars habe ich dann für die Kinderbetreuung gearbeitet, in der ich nachmittags arbeite. Die Schule hat im Februar begonnen und bis dahin mussten wir Werbung machen für die Einrichtung, damit die Eltern ihre Kinder anmelden. Insgesamt haben wir rund 5000 Flyer am mercado verteilt, wo die Betreuung liegt. Erst da wurde mir die Bedeutung meiner Arbeit richtig bewusst; die meisten unserer kiddies sind Kinder von Eltern, die an Ständen auf dem mercado arbeiten und ohne die Einrichtung würden die Kinder nachmittags entweder arbeiten oder am mercado rumhängen. So können sie Hausaufgaben machen und spielen. Mein Mitfreiwilliger und ich bieten ab diesem Halbjahr eine Schach-AG und einmal die Woche Sport an, was gar nicht so einfach ist. Trotzdem ist es cool, dass die Kinder dann nicht mehr die ganze Woche in einem geschlossenen Raum verbringen müssen und sich auch mal austoben können. Dafür mieten wir einen Sportplatz ( für ca 2 Euro die Stunde ) und schaffen von gesammelten Spenden vielleicht noch Sportmaterialien an.

 

Ein sehr erfreuliches Thema ist auch meine Spendenaktion für den Englischunterricht; insgesamt habe ich 1380 Euro gesammelt, fast doppelt so viel wie geplant!! Danke an dieser Stelle nochmal an alle Spender und an den Lions Club, der sich auch mit einer großzügigen Spende beteiligt hat. Meine Idee mit den Englischheften musste ich noch mal umändern. Finanziell und pädagogisch effektiver ist es, wenn ich meine eigenen Materialien zusammenstelle. Es ist ungefähr halb so teuer wenn ich Arbeitsblätter erstelle/ kopiere und dann verteile. Außerdem bin ich mit den Heften, die es in Bolivien gibt, leider gar nicht zufrieden. Die Frage ist jetzt, ob ich wöchentlich ein Arbeitsblatt erstelle und für meine 200 Schüler kopiere oder mehr oder weniger ein eigenes Arbeitsheft mit meinen eigenen Arbeitsblättern fertigstelle und binden lasse und dann verteile. Über Hilfe und Anregungen würde ich mich sehr freuen!

So bleiben mir dann noch c.a 1000 Euro , mit denen sich sehr viel anstellen lässt: Basketbälle für die geplante AG, Projekte zu gesundem Essen, Spiele für die Nachmittagseinrichtung etc. Auch hier bin ich offen für andere Ideen.

 

Bin gespannt, was das nächste Halbjahr in dieser Hinsicht bringt und ich werde mich versprochen öfters melden!