Peru, Salzsee und Spendenaktion

Mittwoch, 08.02.2017

 

Hey Leute,

 

sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde, die letzten Monate war viel los, aber für die zweite Halbzeit meines Freiwilligendienstes habe ich mir fest vorgenommen euch regelmäßig auf dem laufenden zu halten!

Es ist für mich schwer zu glauben, dass jetzt die Hälfte schon vorbei sein soll, die sechs Monate vergingen wirklich wie im Flug. Nichtsdestotrotz habe ich viele Pläne für die kommende Zeit und hoffe noch einige coole Aktionen starten zu können. Zuallererst werde ich euch aber kurz wieder auf den aktuellen Stand bringen:

Der letzte Schultag war für Anfang Dezember angesetzt und die letzten zwei Wochen, bevor die Tore geschlossen wurden, hatten die Schüler die Möglichkeit, alles erlernte zu präsentieren.

So gab es unterschiedliche Thementage, an denen einmal Tänze, an anderen Tagen Basteleien und Sport auf der Tagesordnung standen. Für mich war ganz sicher der Höhepunkt meine eigene Deutsch-Bolivianische Messe, auf die ich Wochen lang hingearbeitet hatte. In Zusammenarbeit mit einem der älteren Klassen beschlossen wir, Geschichte, Gastronomie, Kultur und Politik der jeweiligen Länder vorzustellen. Zu diesem Zweck saß ich tagelang nachmittags an Plakaten über die gesamte deutsche Geschichte und übte mit einer Freundin einen Walzer ein. Abgesehen davon handelte es sich um eine interkulturelle Begegnung, da meine ganze WG ( etwa 10 weitere Jugendliche) eingeladen wurden. Diese nahmen mir auch einiges an Arbeit ab, indem sie verschiedene deutsche Gerichte vorbereiteten und verteilten. Meine Jungs ( die Schüler der Klasse, die mit mir die feria vorbereitet haben), ließen es sich natürlich auch nicht nehmen uns zum Fußball herauszufordern ;)

 Meine Plakate über Deutschland

 

Eine Klasse präsentiert einen bolivianischen Tanz

 

Meine Mitfreiwilligen und die Klasse, mit der ich die Messe veranstaltet habe

 

Schließlich wurden die kiddies in die Ferien entlassen und für mich hieß das ab nach Peru mit paar Kumpels. Die Tour ging über Cousco und den Macchu Picchu nach Arequipa und schließlich ans Meer. Dazu gibt es gar nicht viel zu sagen, ich hoffe die Bilder unten sprechen für sich;)

Macchu Picchu

 

Der Colca Canyon in Arequipa und die Oase



Die wunderschöne Plaza Arequipas

Pünktlich zu Weihnachten waren wir wieder in Sucre, aber schon ging es wieder los, zu erst in den Süden zum weltberühmten Salzsee, dann nach La Paz, wo wir Silvester verbrachten und an den Titikakasee. Der Salar de Uyuni war tatsächlich so beeindruckend, wie er überall in Bolivien beworben wird.

 

Die Roten Lagunen

 

Die Vulkane

 

Allerdings nahmen wir noch die Downhill Tour der „ Death Road“ in La Paz mit, einer der Höhepunkte während meines gesamten Aufenthalts in Bolivien. Die Death Road wurde einst als Verbindung zwischen der Stadt La Paz ( auf ca 4000 Höhenmetern) und den sogenannten Yungas, einem tropischen Naturgebiet ( auf ca 1000 Höhenmetern) genutzt. Bekannt wurde sie durch ihre extrem geringe Breite für Lastwägen und einer dementsprechend hohen Unfallrate. Mit dem Mountainbike war es aber mehr als machbar und ein einmaliges Erlebnis!

La Paz, die Millionenstadt mit dem Regierungssitz, ist sehr interessant. Die tiefer gelegenen Gegenden bewohnen die reichen Bürger auf Grund des angenehmen Klimas, während in den höheren Gebieten die ärmeren Bolivianer wohnen. Man findet alles, vom Luxushotel bis zu Bruchbuden, außerdem hat die Stadt die wahrscheinlich lebendigste Kunst- und Musikszene Boliviens. Die tieferen und die höheren Teile der Stadt werden seit ein paar Jahren mit einer Seilbahn verbunden, bis jetzt einmalig in Bolivien.

 

Direkt anschließend an die Reise war unser Zwischenseminar mit dem Chef unserer Organisation vor Ort, Max Steiner. Hierbei haben wir unglaublich viel über Bolivien und seine Politik/Wirtschaft gelernt und viel diskutiert. Eines der brisantesten Themen momentan ist der Präsident Evo Morales, der eine verfassungswidrige vierte Amtsperiode anstrebt. Viele Bewohner Sucres, die ja eine ehemalige Kolonialstadt ist, stehen dem indigenen Präsidenten sehr kritisch gegenüber ( wir haben eine kleine Befragung auf den Strassen gestartet). Unumstritten ist, dass unter dem Präsidenten der indigenen Bevölkerung vieles zurückgegeben wurde, was ihr während der Kolonialzeit genommen wurde, zum Beispiel uneingeschränkter Zugang zu Bildung. Außerdem wurde das BIP vervielfacht, staatliche Investitionen in Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur sind in die Höhe geschossen ( die ländliche Bevölkerung braucht nicht mehr stundenlang zum nächstgelegenen Krankenhaus) und es gibt eine tatsächlich vorhandene Sozialpolitik ( unter anderem eine staatlich finanzierte Rente). Einige meine Lehrer z.B. aber beklagen autoritäre Tendenzen, Korruption und einen Präsidenten, der sich nur selber inszeniert. Eine Mitfreiwillige arbeitet in einer staatlichen Einrichtung, in denen überprüft wird, ob die Mitarbeiter bei Demonstrationen anwesend sind. 2019 ist die Präsidentenwahl, es bleibt spannend und scheint die Bevölkerung Boliviens zu spalten in dieser Frage.

Die zweite Hälfte Januars habe ich dann für die Kinderbetreuung gearbeitet, in der ich nachmittags arbeite. Die Schule hat im Februar begonnen und bis dahin mussten wir Werbung machen für die Einrichtung, damit die Eltern ihre Kinder anmelden. Insgesamt haben wir rund 5000 Flyer am mercado verteilt, wo die Betreuung liegt. Erst da wurde mir die Bedeutung meiner Arbeit richtig bewusst; die meisten unserer kiddies sind Kinder von Eltern, die an Ständen auf dem mercado arbeiten und ohne die Einrichtung würden die Kinder nachmittags entweder arbeiten oder am mercado rumhängen. So können sie Hausaufgaben machen und spielen. Mein Mitfreiwilliger und ich bieten ab diesem Halbjahr eine Schach-AG und einmal die Woche Sport an, was gar nicht so einfach ist. Trotzdem ist es cool, dass die Kinder dann nicht mehr die ganze Woche in einem geschlossenen Raum verbringen müssen und sich auch mal austoben können. Dafür mieten wir einen Sportplatz ( für ca 2 Euro die Stunde ) und schaffen von gesammelten Spenden vielleicht noch Sportmaterialien an.

 

Ein sehr erfreuliches Thema ist auch meine Spendenaktion für den Englischunterricht; insgesamt habe ich 1380 Euro gesammelt, fast doppelt so viel wie geplant!! Danke an dieser Stelle nochmal an alle Spender und an den Lions Club, der sich auch mit einer großzügigen Spende beteiligt hat. Meine Idee mit den Englischheften musste ich noch mal umändern. Finanziell und pädagogisch effektiver ist es, wenn ich meine eigenen Materialien zusammenstelle. Es ist ungefähr halb so teuer wenn ich Arbeitsblätter erstelle/ kopiere und dann verteile. Außerdem bin ich mit den Heften, die es in Bolivien gibt, leider gar nicht zufrieden. Die Frage ist jetzt, ob ich wöchentlich ein Arbeitsblatt erstelle und für meine 200 Schüler kopiere oder mehr oder weniger ein eigenes Arbeitsheft mit meinen eigenen Arbeitsblättern fertigstelle und binden lasse und dann verteile. Über Hilfe und Anregungen würde ich mich sehr freuen!

So bleiben mir dann noch c.a 1000 Euro , mit denen sich sehr viel anstellen lässt: Basketbälle für die geplante AG, Projekte zu gesundem Essen, Spiele für die Nachmittagseinrichtung etc. Auch hier bin ich offen für andere Ideen.

 

Bin gespannt, was das nächste Halbjahr in dieser Hinsicht bringt und ich werde mich versprochen öfters melden!

 

 

 

Ausstellung, Maragua und Cochabamba

Mittwoch, 02.11.2016

 

In der Grundschule komme ich mit den Kindern ganz gut voran. Mit den meisten Klassen habe ich jetzt das Alphabet, die Zahlen, Farben, Famile und die Tiere durch . Meine Unterrichtsvorbereitung zur Familie war leider ein Fiasko, ich hatte geplant erste Sätze und Fragen einzuführen und das war wohl zu früh, denn zwei Klassen haben mehr oder weniger gestreikt :D Also habe ich meine Erwartungen wieder etwas zurückgeschraubt und beschränke meinen Unterricht fürs erste auf die Einführung von Wortschatz. Mittlerweile mache ich tatsächlich so viel wie möglich spielerisch mit den Kindern, für die Farben und das Alphabet habe ich ein Brettspiel vorbereitet und bei der Familie haben sie dann selber ein Memory erstellt.

Zum Thema Tiere basteln wir momentan eine Art minibook, mit Zeichnungen und ein paar einfachen Sätzen, die sie nur abschreiben müssen. Die Kinder sind Feuer und Flamme dabei, vor allem weil einige Lehrer die Bücher am Ende bei der Exposition ausstellen wollen. Ich kann es selber kaum glauben, aber in vier Wochen ist meine erste Hälfte an der Schule schon vorbei, denn während der Regenzeit hat die Schule für acht Wochen geschlossen. Es regnet zwar nicht den ganzen Tag aber teilweise wohl so heftig, dass es nicht möglich ist effektiv zu unterrichten. Kürzlich hab ich eine kleine Kostprobe bekommen, in der letzten Stunde hat es so stark angefangen zu hageln, zu donnern und zu gießen, dass den Kindern verboten wurde nach Hause zu laufen. Um wieder aufs Thema zurückzukommen: Die letzten zwei Wochen im November gibt es fast jeden Tag eine Exposition oder Vorstellungen. Die Bücher werden in der Kategorie „ Praktische Arbeit „ ausgestellt , aber mit einem Kurs übe ich mit der Lehrerin auch einen Tanz ein und ein anderer macht Akrobatik-Figuren.

Da ich mich da ebenfalls irgendwie mit einbringen will, habe ich beschlossen mit einem Kurs eine Deutschland-Bolivien Exposition vorzubereiten. Das ist viiiel mehr Arbeit als gedacht, zumindest für mich. Die Schüler bereiten logischerweise den bolivianischen Part vor und ich den deutschen. Gerade der geschichtliche Teil liegt mir sehr am Herzen, da hier was Deutschland betrifft noch großes Unwissen herrscht. So kam es schon häufiger vor dass die erste Reaktion auf meine Herkunft der Hitlergruß war und ich einer Lehrerin während ich vorne unterrichtete erklären musste, dass Hitler nicht mehr Staatsoberhaupt ist und Deutschland nicht zweigeteilt. Umgekehrt sind meine Geschichtskenntnisse über Bolivien auch noch sehr spärlich, insofern freue ich mich sehr auf die Präsentation. Nun muss ich die deutsche Geschichte, Geographie etc. auf Spanisch und kindgerecht auf einem Plakat vorstellen, noch bin ich alles andere als zufrieden mit den Ergebnissen. Des weiteren werde ich einen Walzer mit einer anderen Freiwilligen einüben, ein deutsches Volkslied ( da bin ich noch hin und hergerissen, denn am liebsten würde ich natürlich ein Karnevalslied singen ;) ) und ein paar deutsche Gerichte kochen. Die anderen 10 Freiwilligen bekommen diesen Vormittag freigestellt um die Ausstellung zu besuchen, was mich sehr gefreut hat.

Am Nachmittag arbeite ich jetzt doch nicht in der mobilen Schule, aus verschiedenen Gründen. Mein Chef fand es fürs erste besser und im Nachhinein bin ich auch froh. Denn jetzt helfe ich am mercado in einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder, deren Eltern an einem Stand arbeiten und deshalb keine Zeit haben auf sie aufzupassen. Es ist eine willkommene Ergänzung zu der Arbeit am Vormittag, da ich nichts vorbereiten muss und kein so großer Druck auf mir lastet. Außerdem bin ich ziemlich flexibel, da dort noch ein Freiwilliger eingesetzt ist und ich mir dann auch mal einen Nachmittag freinehmen kann um z.B. ein Plakat für das Projekt vorzubereiten.

Unten auf dem Bild haben wir mit den Kiddies Halloween gefeiert und auch wir beiden Jungs wurden gezwungen mitzutanzen :D Mein Mitfreiwilliger, Marvin, hat von seinem Geld Spielsachen für die Einrichtung gekauft, denn die gibt es gar nicht und die Kinder können sich dann auf etwas nach den Hausaufgaben freuen.

Einer der letzten zwei Wochenendausflügen ging nach Maragua, einem Krater in den Bergen. Diesmal haben wir die Wanderung mit einem Guide gemacht, so war alles geregelt, auch die Übernachtung von Samstag auf Sonntag. Zu der Wanderung selber gibt es nicht viel zu sagen, sie war wunderschön und ziemlich anstrengend. Für mich persönlich war der Höhepunkt aber ein ganz anderer ; unsere Unterkunft lag im Dorf mitten im Krater. Als wir dann abends nach draußen gegangen sind um uns den Sonnenuntergang anzuschauen haben uns ein paar Kinder gefragt ob wir mit ihnen Fußballspielen wollen. Also haben wir komplett fertig und barfuß im Sonnenuntergang mit den Kindern noch Fußball gespielt. Das Dorf selber bestand aus ein paar Baracken und Kühen, nicht besonders spektakulär, aber genial gelegen. Zu der Entstehung des Kraters gibt es mehrere Theorien, ich kann mich jetzt noch an die erinnern, die ihn auf einen Meteoriten zurückführt und die andere behauptet, dass hier eine Oase mit einem großen See gewesen sei.

Unsere zweite Wochendenreise hat uns nach Cochabamba geführt. Ich würde sie nicht unbedingt als Reinfall bezeichnen aber sie war nah dran. Cochabamba ist eine Millionenstadt, liegt etwa 500 Meter niedriger als Sucre und in einer deutlich wärmeren Klimazone. Mit dem Bus haben wir ungefähr 6 Stunden gebraucht und sind kurz vor vier am Morgen angekommen. Dann mussten wir noch im Bus vor dem Terminal warten, um die Zeit ist er aus Sicherheitsgründen geschlossen und man sollte sich im Dunkeln nicht in der Nähe aufhalten. Unser Hostel lag etwas weiter außerhalb und es war wirklich ein Traumhostel, für einen Preis der sich auf Dauer für den Besitzer einfach nicht rentieren kann. Auf dem Platz im Hostel hatten auch zwei interessante Deutsche ihr Lager mit dem Wohnwagen aufgeschlagen; sie sind vor etwa einem Jahr in Rente gegangen und machen für zwei Jahre eine Reise durch ganz Südamerika.

Für Samstag war der Nationalpark geplant, der ganz toll sein soll, leider lag der aber zu weit entfernt. Also haben wir beschlossen uns auf zu den Wasserfällen zu machen, zu denen ein etwa zweistündiger Wanderweg führte. Unsere Stimmung wurde schon etwas gedämpft als uns ein Bolivianer vor Beginn der Wanderung vor Überfällen warnte. Also haben wir auf dem Weg eine Familie und einen alten Mann gefragt ob sie uns raten würden weiterzulaufen. Beide meinten, dass immer wieder Wanderer mit Messern bedroht und ausgeraubt werden und wir daher maximal eine halbe Stunde wandern sollten und dann umkehren. Mit dieser Info im Hinterkof sind wir weitergelaufen und uns ist eine Frau entgegengekommen. Als wir sie selbiges gefragt haben, hat sie ein Messer gezogen und gesagt ohne läuft sie dort nicht lang. Das hat uns überzeugt und wir haben kehrtgemacht :D

Die größte Touristenattraktion in Cochabamba ist eine riesige Jesusstatue, zu der 1200 Treppenstufen oder eine Gondelbahn führen. Ein paar Leute aus dem Hostel sind auf dem Weg nach oben ausgeraubt worden, aber es klang so, dass sie einen Weg querfeldein genommen hatten, also sind wir zu Fuß los. Alles war gut , doch auf halber Strecke sahen wir eine Gruppe junger Leute , die an der Seite der Treppe mit einem toten Hahn (?!) saßen. Als sie uns erblickten, standen sie auf und stellten sich zu beiden Seiten der Treppe auf. Wir konnten nicht mehr umkehren also rückten wir zusammen und gingen weiter. Vielleicht waren wir als Gruppe groß genug, aber es ist zum Glück nichts passiert. Der Ausblick von oben war großartig und die Statue hat sich immerhin gelohnt zu sehen !

Am Sonntag haben wir uns die Stadt angesehen, aber sie hat überhaupt gar keinen flair und keine schönen Gebäude ( zumindest haben wir sie nicht gesehen ). Da war ich wirklich froh, als ich wieder im kleinen, behaglichen und sicheren Sucre mit seinem schönen Zentrum war.

Die Plaza in Sucre ist wirklich toll. Abends treffen sich dort immer ganz viele Studenten und Jugendliche und die Atmosphäre ist super. Man kann sich dort einfach auf eine Bank setzen und für eine Zeit lang das Treiben beobachten. Außerdem habe ich kürzlich den wunderschönen parco bolivar entdeckt, an dem es einen riesigen Spielplatz, viele Jogger und viele Familien gibt. Immer wieder sieht man auch Straßenkünstler von einer Menge umringt malen.

Der Grund, weshalb ich heute Zeit habe den blog zu schreiben, ist Allerheiligen, Todos los Santos. Schon seit Wochen wird zu diesem Zweck hier in Sucre fleißig Brot gebacken. Gestern haben sich dann viele Familien auf dem Friedhof getroffen mit kleinen Tischen, auf denen dieses Brot und Essen und Trinken, welches den Verstorbenen gefallen hatte, vorbereitet waren. An Leute, die vorbeikamen wurde Brot und Essen verschenkt und generell war eine sehr gute, wenn auch andächtige Stimmung.

Zuletzt würde ich gerne noch kurz erwähnen, dass ich momentan Spenden für Englischhefte sammele, damit ich an der Schule auch wirklich effektiv unterrichten kann.

Ein Heft kostet umgerechnet etwa 2,50 Euro , daher würde ich mich über jede Spenden an die unten angegebenen Kontodaten freuen !

Kontoinhaber: Hostelling International Max Steiner

Geno Bank Essen eG

BIC: GENODEM1GBE

IBAN: DE41 3606 0488 0546 3469 00

Bitte " Jakob Strnad " im Buchungstext angeben

 

Liebe Grüße und bis dann ! 

 

Entrada und Tag der Schüler

Samstag, 01.10.2016

 

Hallo zusammen,

 

und schon wieder sind vier Wochen schneller als gedacht vorüber. Für viele meiner WG-Mitglieder war der Höhepunkt des vergangenen Monats die entrada, bei der die Schutzpatronin von Sucre geehrt wird, la Virgen de Guadalupe.

Für ein Wochenende wird gesungen, getanzt und natürlich viel getrunken. Um an den Umzügen auf der Straße teilnehmen zu können, haben sich die Mädchen meiner WG einen Monat lang täglich unter der Leitung eines Tanzlehrers vorbereitet. Die Kostüme wurden eigens von einer Schneiderin angefertigt, dann mussten noch Masken und Schuhe her und es konnte losgehen. Ich selber konnte leider nicht in die Stadt, weil ich mir den Zeh gebrochen hatte, aber selbst von zuhause aus ist es unmöglich nichts von der entrada mitzubekommen. Für die Tänzerinnen war es wohl sau anstrengend, weil sie fünf Stunden am Stück mit Kostüm und Maske tanzen mussten. Die Jungs haben die Show genossen und sich von der tollen Stimmung mitreißen lassen, die während dieser Tage die ganze Stadt verzaubert hat.

Außerdem haben wir unsere erste Wochenendreise nach Santa Cruz unternommen, sprich 14 Stunden von Freitag auf Samstag hin und in der Nacht auf den Montag wieder zurück. Über die Busfahrten habe ich ja schon geschrieben, aber dementsprechend haben wir nicht so viel geschlafen dieses Wochenende. Grund dieser Reise war eine riesige Expo , bei der alles von Lastwagen bis Kühe ausgestellt wurde. Wir hatten eigentlich mit ein paar Konzerten gerechnet, aber leider wurden wirklich nur Waren ausgestellt ( nichtsdestotrotz war es spannend). Wir hatten zudem ein paar Stunden Zeit uns das Zentrum von Santa Cruz anzuschauen und auch wenn es ganz schön war, gefällt mir Sucre deutlich besser. Sucre ist sehr überschaubar, die Straßen sind relativ schmal und alles ist aufs Zentrum und den Markt ausgerichtet. In der Millionenstadt Santa Cruz verliert man sich ziemlich schnell und der amerikanische Stil ( z.B sehr breite Straßen) unterscheidet sich deutlich vom Kolonialstil Sucres.

Schließlich wurde letzte Woche der dia de estudiante gefeiert, bei dem die Schüler und Studenten im Mittelpunkt stehen. Die Lehrer bereiteten dafür den Schülern eine Show vor, dann durften die kleinen Racker selber tanzen und schließlich wurde in den einzelnen Klassen gegessen. Normalerweise wird essen mit nach Hause genommen, was man in Restaurants oder sonst wo außerhalb nicht schafft. Die Lehrerin betonte jedoch, dass heute das Essen ausdrücklich für die Schüler gedacht ist und der Rest nicht den Familien überlassen werden soll. Dass mag erstmal befremdlich wirken, aber Essen spielt hier immer noch eine wichtige Rolle und ist nicht überall im Überfluss da. An den Schulen beispielsweise bekommen die Schüler ein vom Staat bereitgestelltes Frühstück, was für einige die einzige Mahlzeit am Tag bleibt.

Ich jedenfalls habe mit den Lehrern einen traditionellen Tanz vorgeführt, bei dem ich einfach irgendwie mit meinen Füßen getippelt habe :D

 

Ansonsten läuft es auf meiner Arbeitsstelle mittlerweile besser, ich habe langsam den Dreh raus , wie ich den Unterricht interessant gestalte und mich gut vorbereite. Das ändert leider trotzdem nichts daran, dass ich größtenteils auf mich alleine gestellt bin und häufig auch alleine im Klassenraum stehe. Häufig ist es so, dass die Arbeitsatmosphäre einfach chaotisch ist, weil die Schüler alle was an die Tafel schreiben wollen und mich dann auf einmal 15 schreiende Schüler umringen. Das ist zwar anstrengend , aber auch putzig und gegen die Motivation habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden. Nur bei einer einzigen Klasse ( von 20) habe ich das Gefühl, dass sie mich nicht respektieren und keine Lust auf meinen Unterricht haben. Eigentlich habe ich gesagt, dass ich diese Klasse nicht mehr unterrichten werde, aber es sind nur die Jungs, die stören, die Mädels wollen unbedingt weiterlernen. Nun kann ich nicht die Hälfte der Klasse rausschmeißen, also werde ich einfach in den sauren Apfel beißen und mit denen arbeiten, die tatsächlich lernen wollen. Auch mit den meisten Lehrern komme ich gut klar, manche haben verstanden, dass ich Unterstützung im Unterricht brauche, andere nicht, aber nett sind eigentlich alle. Auch hier gibt es wieder nur eine Ausnahme. Mich stört es dabei gar nicht, dass der Lehrer nicht meinen Gruß erwidert und böse guckt, sondern dass er mehr oder weniger gesagt hat, in seiner Klasse werde ich nicht unterrichten. Auch dass kann ich ihm nicht verübeln, weil die Lehrer Zeit von ihrem Unterricht abzwacken, aber ich habe die Schüler bereits ein paar Stunden unterrichtet und sie freuen sich darauf, Englisch zu lernen. Insofern ist es einfach schade. Alles in allem ziehe ich aber aus dem letzten Monat Arbeit eine positive Bilanz. Die meisten anstrengenden Momente werden ziemlich schnell von den schönen Momenten wett gemacht. Eine Klasse hat beispielsweise ein Plakat und Kuchen an meinem achtzehnten Geburtstag vorbereitet und in den manchen Klassen würden sie sogar am liebsten noch die Pause durcharbeiten.

Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es an meiner Schule eigentlich gar keinen Englischunterricht, weil es keine Englischlehrer gibt. Deshalb sind die Kinder auch nicht verpflichtet, sich ein Englischheft anzuschaffen bzw. manche könnten sich das auch gar nicht leisten. Ich unterrichte so gut es geht mit der Tafel und Stift und muss ansonsten kreativ sein, sprich Spiele, Lieder und Geschichten mit einbauen. Das klappt auch ganz gut während dem Unterricht, aber um zu Hause zu lernen fehlt den Schülern ein Heft, das ihnen einen roten Faden bietet und sie motiviert. Ein Heft kostet umgerechnet max. 2,50 Euro. Aus diesem Grund werde ich ein kleines Projekt starten und Spenden für Englischhefte sammeln. Denn die Erfahrung der vergangenen Freiwilligen zeigt, dass beim Unterricht wie bisher leider viel zu wenig hängen bleibt, was sowohl für Lehrer als auch Schüler frustrierend ist. In meinem nächsten blog werde ich den Link zu meiner betterplace-Seite teilen und würde mich riesig freuen, wenn ihr mir helfen könntet diese ein wenig bekannter zu machen !

 

In meiner Freizeit war ich vor allem durch das Kickboxen eingebunden. Das ging soweit, dass ich dem Trainer gesagt habe, entweder er handhabt das bei uns was lockerer, oder wir suchen uns was anderes. Denn eigentlich muss man an fünf Abenden die Woche anwesend sein und dieses Wochenende hätten wir den gelben Gürtel in Muay Thai machen sollen. Das macht auch alles viel Spaß, aber in erster Linie sind wir hier Freiwillige, die arbeiten und was von Bolivien sehen wollen und keine Muay Thai Profis. Also dürfen wir jetzt kommen, wann wir wollen und müssen die Prüfungen nicht machen. Ansonsten suche ich hier fieberhaft nach einer Zeichenschule, da ich mir für das Jahr vorgenommen habe, meine künstlerische Seite zu entdecken:D

 

Ab nächster Woche werde ich auch mit meiner Nachmittagsarbeit beginnen. Eigentlich hätte ich in einer Hausaufgabenbetreuung arbeiten sollen, aber diese Arbeit ist mir der am morgen zu ähnlich. Deswegen werde ich mit der esquela movil der Jugendeinrichtung CERPI auf die Dörfer hinausfahren. In der Umgebung außerhalb Sucres, also auf dem Land, fährt die mobile Schule täglich einen unterschiedlichen Ort an, bringt Spielsachen mit und betreut die Kinder. Unterrichtet werden sie eigentlich nicht, aber für die meisten ( auf dem Land sind dieVerhältnisse deutlich prekärer) ist dieser eine wöchentliche Nachmittag das Highlight. Wie ich es verstanden habe, wird nächste Woche ein kleines Projekt mit verschiedenen Stationen zum Thema Ernährung gestartet. Gerade bei den kleinen Kindern ist da noch viel Aufklärungsarbeit nötig; viele haben keine Zahnbürste, auch wenn sie nicht besonders viel kostet, und geben viel zu viel Geld, wenn sie welches haben, für Süßigkeiten aus. Dementsprechend haben zumindest bei mir an der Schule manche schon Kinder der 2. Klasse schwarze Zähne oder nur noch Stummel. Ab und zu beherbergt das Hostel, in dem wir wohnen, Zahnärzte aus Deutschland, die raus auf dem Titicacasee fahren, um dort die Bevölkerung zahnärztlich zu versorgen. Diese haben gesagt, dass es zwar einige Zahnärzte in den Großstädten gibt, diese aber die Zähne sehr schnell einfach ziehen; sie wieder herzurichten würde für sie finanziell keinen Vorteil bringen. Auf jeden fall freue ich mich sehr auf meinen zweiten Job und werde in Kürze berichten !

 

Das wars so weit zu den letzten Wochen, machts gut und bis demnächst!

 

 

 

Sport, Streichen und Schule

Donnerstag, 25.08.2016

 

Die letzte Woche drehte sich größtenteils darum, Plätze oder Vereine zum Sport treiben zu finden. Das mit den Plätzen ist so ein Ding, da Sucre größtenteils abschüssig liegt und es daher schwierig ist einen großen Sportplatz anzulegen. Footsal, also Fußball auf kleinen Plätzen und mit einem schwereren Ball ist deswegen um einiges populärer als der Fußball den wir kennen. Trotzdem sind wir fündig geworden: Die katholische Gemeinde bei uns um die Ecke besitzt einen dringend renovierungsbedürftigen Sportplatz, den wir benutzen dürfen, wenn wir ihn streichen. Also haben wir uns Farbe gekauft und am Samstag bei glühender Hitze das Footsalfeld fertiggestellt; nächste Woche geht es mit dem Basketballplatz weiter.

Nach meiner ersten Runde Basketball letzte Woche hatte ich nach einer halben Stunde einen Blutgeschmack im Mund und musste mich fast übergeben. Obwohl wir uns schon einige Tage akklimatisiert hatten, dachte ich in 2800 Metern Höhe genauso wie in Deutschland starten zu können, was natürlich nicht funktioniert hat;) Dasselbe galt für das Joggen, wobei unsere Pläne jedoch schon früh von Straßenhunden durchkreuzt wurden, die uns verfolgt haben. Straßenhunde sind gewöhnlich in Sucre und an sich auch nicht gefährlich, aber da der Großteil von ihnen Tollwut hat sollte man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Somit wurde das Joggen zum Sprint:D

Mein persönlicher Sportplan ist, mich in einem MMA-Studio anzumelden, bei dem ich gestern ein Probetraining gemacht habe. Der Dojo-Boss ( er hat irgendeinen speziellen Namen) ist streng und das Training hart, aber in der Gruppe macht es viel Spaß.

Was uns alle plagt und mich mit meiner gesundheitlichen Vorgeschichte insbesondere ist Erkältung, da es morgens und nachts sehr kalt ist und man die Erkältung leider sehr schwer wieder los wird. Aber dafür gibt es Koka-Tee!

Der Höhepunkt des Wochenendes war die Wanderung des sogenannten Inka-trails. In der Regel bucht man sich einen Guide, aber die meisten von uns hatten keine Lust soviel Geld auszugeben, weswegen wir uns auf eigene Faust auf den Weg machten. Unsere Orientierung hörte schon an dem Punkt auf, als wir das zweite Mal mit dem Bus umsteigen mussten, um auf die Bergspitze zu gelangen ( man wandert herunter, was auf 3300 Metern wirklich anstrengend ist). Denn in dem Ort sollte uns eigentlich ein Bus die letzte Etappe hochbringen, war aber weit und breit nicht zu sehen. Als uns dann der Fahrer eines Lasters mit einigen bolivianischen Bauern hintendrauf anbot uns mitzunehmen, sind wir kurzerhand mit aufgesprungen. Schon fünf Minuten später, als wir uns es gerade mehr oder weniger gemütlich gemacht hatten, bereuten die meisten die Entscheidung; ein Stier sollte uns auf dem Weg begleiten. Nun ging es langsam und ruckelig die schmalen Serpentinen hoch, bis ein anderer Laster mit einem Platten uns den Weg versperrte. Hier wollten wirklich einige Mädels abspringen, weil es rechts neben uns bergab ging und es schier unmöglich schien den anderen Laster zu überholen. Sie sind natürlich nicht zu Fuß gegangen und irgendwann sind wir oben angekommen:D

Der Wanderweg war grandios, die Aussicht auch, ich denke in dem Fall sagen die Fotos tatsächlich mehr aus als Tausend Worte. Zurück ging es dann nochmal eine Stunde stehend im Bus und sofort ins Bett, weil uns am Montag der erste Arbeitstag erwartete.

 

Der erste Arbeitstag. Mir war bewusst, dass mir als Europäer in der Schule viel abverlangt werden wird und dass die Lehrer nicht besonders gut Englisch sprechen. Aber was mich erwartete übertraf alle Erzählungen. Ich sprach ( und spreche immer noch nicht mehr) nur ein paar Sätze Spanisch, hab noch nie unterrichtet, geschweige denn studiert und kannte die Kinder noch nicht. Ich ging in den Klassenraum der sechsten Klasse und die Lehrerin fragte mich:

Was willst du unterrichten?

Also ich bin eigentlich hier, um im Englischunterricht zu helfen.

Alles klar, dann fang Mal an.

Womit?

Was du willst.

Jetzt dachte ich, die Lehrerin würde mir ansatzweise helfen immerhin die Klasse zu kontrollieren, aber falsch gedacht. Nicht nur musste ich mir irgendwas aus der Nase ziehen, weil ich natürlich nicht auf 1,5 Stunden Unterricht vorbereitet war, aber die Lehrerin setzte sich einfach in die Ecke, schaute zu und ging zwischendurch sogar raus. Die Kinder liefen durch den Klassenraum, rauften miteinander und redeten während ich vorne stand. Soviel zu meiner ersten Stunde an der Schule. Die andere Klasse an diesem Tag war jünger, aber genauso wild wie die vorherige. Auch hier war ich auf mich alleine gestellt, aber die Kinder kamen nach dem Unterricht alle zu mir und umarmten mich, wodurch es mir was besser auf dem Heimweg ging. Auch auf dem Schulhof liefen die Kinder auf mich zu und umarmten mich oder riefen meinen Namen und gaben high 5. Dies gab mir solange Trost, bis ich am Nachmittag den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten musste. Der zweite Tag verlief zum Glück besser, ich musste zwar selbständig wieder zwei Klassen für je 1,5 Stunden unterrichten, aber die Lehrerinnen halfen mir die Klassen zu kontrollieren. Als ich in den Klassenraum trat jubelten die Kinder und sie arbeiteten so gut es ging mit, weswegen ich an diesem Tag mit einem Lächeln nach Hause ging.

Momentan bin ich mir nicht sicher, wie ich das ganze einschätzen soll. Auf der einen Seite hätten die Kinder ohne mich gar kein Englischunterricht, die Schule liegt in einem armen Bezirk und mein Mentor meinte, dass es an den meisten staatlichen Grundschulen ( die im übrigen bis zum 12 Lebensjahr gehen) keine Englischlehrer gibt. Außerdem merke ich, wie sehr sich die Lehrer und Schüler sich freuen, mich an der Schule zu haben. Auf der anderen Seite bin ich nach Bolivien geflogen in der Erwartung, einen Lehrer im Englischunterricht zu unterstützen und nicht selber als Lehrer zu arbeiten, weswegen ich zur Zeit noch mit der Situation etwas überfordert bin.

Ich habe nicht vor, die Einsatzstelle zu wechseln, aber trotzdem werde ich je nachdem wie sich das ganze entwickelt reagieren.

Danke für euer Interesse und bis bald!

Jakob

 

Ankommen in Sucre

Montag, 15.08.2016

 

 

Hallo zusammen,

 

seit einer Woche bin ich jetzt in Bolivien und da schon einiges passiert ist versuche ich einfach Mal so knapp wie möglich die Ereignisse der letzten Tage zusammenzufassen . Nach 28 Stunden Flug und einer kurzen Nacht in Santa Cruz begann unser erstes Abenteuer: Die 18 stündige Busfahrt von Santa Cruz nach Sucre. Lange Busfahrten gehören zum Alltag in Bolivien, da die ländlichen Straßen für viele Autos nicht gut genug ausgebaut sind und es keine Eisenbahn gibt. Dass Bolivien zur Weltspitze gehört, was die Unfallrate der Busse angeht und unser Bus von außen ziemlich klapprig aussah, stärkte nicht gerade unser Vertrauen in die kommende Fahrt. Die Sitze waren jedoch überraschend bequem und wir wurden mit einem grandiosen Panorama belohnt, sodass ich zum ersten Mal seit dem Abflug entspannen konnte. Da wir während der Busfahrt über 2300 Meter bezwingen mussten ( Sucre liegt auf etwa 2800 Metern), ging es die meiste Zeit bergauf. Den ersten Schock bekam ich, als ich nach wenigen Stunden Schlaf aufwachte und feststellen musste, dass es stockdüster war, die Straße nur wenige Meter breit und rechts neben uns ein gähnender Abgrund! Beruhigend waren auch nicht die Kreuze, die an jeder Kurve standen . Trotz allem kamen wir glücklich, aber übermüdet in der Frühe in Sucre an und wurden von einem strahlend blauen Himmel ( ich habe bis jetzt noch keine einzige Wolke gesehen), eisiger Kälte ( morgens sind es nicht mehr als fünf Grad) und unserem Mentor empfangen.

An dieser Stelle muss ich kurz das Visa-Prozedere erwähnen: Dieses dauert mehrere Wochen an, besteht aus verschiedenen Behördengängen, sowie medizinischen Untersuchungen und erinnert an Franz Kafka ( liebe Grüße an Herrn Tschierske); man weiß nie, wann man zu den Behörden gerufen wird, manchmal bekommt unser Mentor mehrere Tage keine Rückmeldung und dann sollen wir innerhalb von einer halben Stunde vor Ort sein. Daher können wir uns hierbei schon Mal in der bolivianischen Gelassenheit und Flexibilität üben, die wir mit Sicherheit auch bei der Arbeit brauchen werden.

Das Highlight der letzten Tage war der Markt im Zentrum der Stadt; hier bekommt man eigentlich alles, von Klamotten über Waschmittel bis zu Ziegenköpfen und vor allem alles um einiges günstiger als im Supermarkt. Noch nie in meinem Leben hab ich so viele Obstsorten an einem Fleck gesehen! Also konnte ich nicht umhin mir einen jugo ( eine Art Smoothie) und mehrere Früchte zu gönnen. Außerdem konnte ich auf dem Markt bei den freundlichen Verkäuferinnen endlich meine ersten Brocken Spanisch anwenden und bekam neben dem Essen manchmal noch nützliche Hinweise und Tips.

Als gringo, der den ordentlichen deutschen Verkehr gewohnt ist, bin ich immer noch etwas überfordert mit dem Verkehr; nach welchen Regeln Vorfahrt gewährt wird und und warum auf den Straßen überhaupt Zebrastreifen aufgemalt sind wird sich mir wahrscheinlich nie erschließen. Gelernt habe ich jedenfalls, dass wenn man am Zebrastreifen wartet bis ein Auto hält, die andere Straßenseite wahrscheinlich für immer unerreichbar bleibt;D Daher hilft nur eine ordentliche Portion Entschlossenheit und Mut. In einem Jahr werde ich mich auf den deutschen Straßen langweilen ;)!

Das wars soweit zu den ersten Eindrücken in Bolivien, machts gut und bis demnächst!